Jacob Klein-Haparash
… der vor dem Löwen flieht
Roman


Prolog

Vergebens hatten die Polen gehofft, die überraschende Kündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts am 25. April 1939 durch ein polnisch-britisches Beistandsabkommen ausbalancieren zu können. Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht ihr Land. Gegen sie und die seit dem 17. September 1939 von Osten her einrückende Rote Armee vermochte sich das polnische Heer nicht zu behaupten. Entsprechend der Geheimklausel im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 und der deutsch-sowjetischen Vereinbarung vom 28. September 1939 wurde Polen am Bug aufgeteilt. Galizien, und mit ihm die Stadt Lemberg (Lwow), fiel an die Ukrainische SSR. Für weit über eine Million Polen bedeutete dies in der Folge die Zwangsdeportation nach Zentralasien oder Sibirien.

Trotz dieser bedrohlichen Entwicklung verblieb Rumänien außenpolitisch zunächst bei der Anlehnung an Frankreich. Erst dessen Niederlage und Kapitulation am 22. Juni 1940 veranlaßten König Karl II., den Anschluß an die Achse Rom-Berlin zu suchen. Durch diese Umorientierung konnte Rumänien zwar einer Besetzung entgehen, seine Regierung fand jedoch nirgendwo Unterstützung, als die Sowjetunion am 26. Juni 1940 ultimativ auf der Abtretung Bessarabiens und der nördlichen Bukowina bestand. Am 23. November 1940 wurde Rumänien Mitglied des Dreimächtepakts, und am 22. Juni 1941 folgte es dem Deutschen Reich in den Krieg gegen den übermächtigen östlichen Nachbarn.

Der Brand, den Hitler gelegt hatte, wurde zum alles verschlingenden Feuersturm. Millionen und Abermillionen Menschen überrollte er, machte sie, sozusagen über Nacht, zum Spielball von Willkür und Mordplanung. Leben hieß von Stunde an nur mehr Überleben. Nicht länger genügte Mut allein, es zu erhalten; die Fähigkeit zu Mimikry und eine mit allen Wassern gewaschene Klugheit mußten hinzukommen. Nur wer über beides verfügte, sich ihrer mit List zu bedienen wußte, hatte neben den Mächtigen, Gewalttätigen noch eine Chance. Überall Menschen on the run – Männer begegneten Frauen, Frauen entdeckten Männer, von deren Existenz sie sonst wohl nie erfahren hätten. Arme wie Reiche, Starke wie Schwache, Bürgerliche wie Adlige, Christen wie Juden wurden füreinander zu Schutzschild oder Last. Den Tod vor Augen lernten nicht wenige von ihnen, einander zu vertrauen, zu helfen und in einer Welt, die den Wahnsinn mit Methode zu betreiben schien, einander in verzweifelter Rückhaltlosigkeit zu lieben.

Wie ein Vergrößerungsglas, das beziehungsreiche Wörter auf den Inventurlisten des Lebens ins Erkennen hebt, rückt der Scharfblick des Erzählers von der «Flucht vor dem Löwen» einige der Millionen von Schicksalen in den Brennpunkt. Zwei Menschen, vor allem, eine Frau und ein Mann, gefangen im Netzwerk von Kriegsgewalt und mitmenschlicher Verantwortung, läßt er den hautnahen Beweis liefern dafür, daß Risikobereitschaft und Überlebenswille noch in widrigster Lage ihre Chance haben und Rettung selbst dann bedeuten können, wenn das Bewußtsein der Unentrinnbarkeit die Glieder lähmt. Das südliche Polen und das nördliche Rumänien sind die (Haupt-) Schauplätze des Geschehens, das zu einer Zeit sich entfaltet, da das wahre Ausmaß des Flächenbrands zwar noch ungeahnt ist, doch manch eines der als «nebensächlich» eingestuften Ereignisse bereits auf weltbewegende Folgen schließen läßt.

 

Jacob Klein-Haparash
… der vor dem Löwen flieht
Roman
(Gesammelte Werke)
Hrsg. von Otto F. Best

Teil 1
(Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 41)
364 S., geb., 2008
ISBN 978-3-89086-549-2

Teil 2
(Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 42)
376 S., geb., 2008
ISBN 978-3-89086-550-8

 

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